Neun Positionen der jungen Malerei

 

29. April bis 7. August 2022

Lippisches Landesmuseum Detmold 

 

 

Mit der Gruppenausstellung „Neun Positionen der Jungen Malerei“ wollen wir dem Publikum einen schlaglichtartigen Einblick in die Vielfalt der aktuellen jungen Malerei gewähren. Die Auswahl der neun Künstler*innen aus Deutschland mit Ausbildungen an verschiedenen Kunstakademien hat der Beirat so getroffen, um einen qualitativ hochwertigen Querschnitt zu zeigen.

 

Durch die vergleichende Betrachtung wird den Besuchern eine intensive Auseinandersetzung mit den jeweils individuellen Schwerpunkten und Ausdrucksformen der aktuellen Jungen Malerei ermöglicht. 

 

Der Titel „Neun Positionen der Jungen Malerei“ verweist bereits auf die Kontraste zwischen den Arbeiten in den Themen als auch im individuellen Duktus der jeweiligen Malerei, die höchst unterschiedliche Herangehensweisen und bildnerische Umsetzungen zeigen. 

 

Über die Vernissage hinaus bietet eine Zwischenveranstaltung Raum für Gespräche über die unterschiedlichen künstlerischen Aussagen und die Wahrnehmungen der Besucher.

 

Eröffnung: 29. April um 18.00 Uhr

Einführung: Anka Ziefer Leipzig, Direktorin G2 Kunsthalle

Musik: Jazz Improvisationen

Studierende der Hochschule für Musik Detmold


Die Künstler


Mona Ardeleanu

 

geboren 1984 in Lörrach, lebt und arbeitet in Stuttgart. Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart,

Prof. Alexander Roob.

 

Mit Ölfarbe kreiert Mona Ardeleanu auf ihren Leinwänden fantasievolle Objekte, welche vertraute Assoziationen beim Betrachter hervorrufen, jedoch stets freie Erfindungen

der Künstlerin sind.

 

Die Bildsujets setzen sich dabei aus unterschiedlichen, gemalten Elementen wie z.B. gefaltete und gemusterte Textilien, Porzellan, Fäden oder Haaren zusammen. Ardeleanu verleiht ihren objekthaften Darstellungen dabei eine realistisch wirkende Haltung, die bei genauerem Hinsehen jedoch entgegen jeder Logik konstruiert sind.


Lydia Balke

 

geboren 1987 in Dresden, lebt und arbeitet in Hamburg und Chemnitz. Hochschule für Bildende Künste Hamburg, 2008–2015.

 

Weißt du, für wen du malst?

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Ich male für niemanden.

Und zwar nicht für ›niemanden speziell‹ oder ›ist mir egal‹

oder ›anoyme Masse nix, die eigentlich Jedermann ist‹ –

sondern für ausdrücklich, ausschließlich, grotesk personifiziert,

NIEMANDEN.


Cornelia Baltes

 

geb. 1978 in Mönchengladbach, lebt und arbeitet in Berlin. Bergische Universität Wuppertal, 2000–2003, Folkwang Universität der Künste, Essen, 2003–2006, Slade School of Fine Art, London, Master of Fine Arts, 2009–2011.

 

Baltes Malerei und Installationen bewegen sich an der Grenze zwischen Abstraktion und Figuration. Kristallisierte „Momente“, die von Intensität und Dynamik aufgeladen scheinen, laden uns in eine zusammenhängende Welt ein, in der Spontaneität und Verspieltheit mit unerwarteten Details ausbalanciert werden – sowohl akribisch als auch spezifisch – aber immer leicht und mühelos scheinen.


Max Frintrop

 

geb. 1982 in Oberhausen, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Kunstakademie Düsseldorf, Diplom und Meisterschüler bei Prof. Albert Oehlen, 2009.

 

Ich male immer mit den besten Vorsätzen. Die Arbeit kann Spaß machen, muss sie aber gar nicht. Denn! das Malen ist des Malers Schicksal. Neurologisch und neurotisch, das Innen sowie das Außen und auch Körper und Geist – alles geht ins Handgelenk, soll das Werk gelingen. Ich bin ein Bild, damit Sie eines sein können. Ich male zwar aus mir heraus, aber arbeite nicht für mich.

MF

 

Foto: Ben Hermani



Sebastian Gögel

 

geb. 1978 in Sonneberg, lebt und arbeitet in Leipzig, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Diplom und Meisterschüler bei  Prof. Sighard Gille, 1997–2005. Der Künstler spiegelt Selbstverständnis, Wünsche und Träume der Menschen in der heutigen Gesellschaft wider.

 

Er lotet Themen aus wie Jugendkultur, soziale Konflikte, Leben und Tod, Glaube und Verzweiflung aber auch Angst, Einsamkeit, Gewalt und andere menschliche Abgründe. Seine Arbeiten können als morbide, provokativ oder bizarr, jedoch auch als ironisch, mystisch und grotesk bezeichnet werden.

 

Foto: Andreas Wünschirs


Vivian Greven

 

geb. 1985 in Bonn, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Kunstakademie Düsseldorf, Meisterschülerin bei Prof. Siegfried Anzinger, 2012, Akademiebrief bei Prof. Thomas Grünfeld, 2015.

 

Vivian Grevens Fokus liegt auf dem entscheidenden, existentiell verändernden Moment zwischen Nähe und Distanz, Sinnlichkeit und Kälte, gegenständlich ohne Körperlichkeit, konkret und konzeptuell. 

 

Sie malt den Moment, in dem die Dinge zu kippen, sich zu wandeln scheinen – aber im Augenblick eines Vor-und-Nach-dem-Kippen eingefroren sind. Dargestellt in Motiven der Intimität, die an klassische Skulpturen erinnern, deren Wärme aber in der kühlen Abstraktion der Ausführung erstarrt ist. 

 

Foto: Ivo Faber


Moritz Neuhoff

 

geb. 1987 in Osnabrück, lebt und arbeitet in Berlin. Kunstakademie Münster, Meisterschüler bei Prof. Cornelius Völker, 2016

 

In seinen großformatigen Bildern lotet Moritz Neuhoff ein weites Spektrum abstrakter Malerei aus. Scheinbar kraftvolle breite Pinsel- oder Spachtelaufträge entfalten eine reliefartige Wirkung. Bei näherer Betrachtung erweist sich alles Haptische als Illusion komplexer Schatten und Lichtspiele. Durch vielschichtige Überlagerungen transluzenter Ebenen entsteht eine glatte Oberfläche, Licht und Raum werden ungreifbar. Eine Sehstörung, eine Täuschung? Vielleicht zu verstehen als Metapher für die glatten Oberflächen der Monitore aller Art, die uns statt der Wirklichkeit nur etwas vorspiegeln. Eine intellektuelle Malerei auf hohem Niveau.

 

Foto: Dr. Cordia Schlegelmilch


Alexander Pröpster

 

geb. 1983 in Amberg, lebt und arbeitet in Hamburg. Studium Hochschule für Bildende Künste Hamburg, Abschluss 2016.

 

Schreiben und Kartieren sind wesentliche Bestandteile der Arbeit von Alexander Pröpster. Das bedeutet nicht einfach nur Karten anzufertigen, sondern sich kartierend durch den Raum zu bewegen. Beobachtungen von Tieren, Geschichten über Menschen, Begegnungen oder Orte sind Ausgangspunkt seiner Arbeiten. Es entsteht die Erzählung eines akribisch wie kryptisch aufgezeichneten Zeit- und Raumprotokolls zwischen Dokumentation und Fiktion, in der es weniger ums Übertragen der Geschichte geht, als darum, sie in ein vielseitigeres Verhältnis zu setzen, Fährten zu legen und diesen Figuren zu folgen. Seine Malerei übersetzt Sprache in Landschaften, Rauschen, Topographie und Labyrinthe. 

 

Babak Behrouz

 

Foto: Babak Behrouz


Stefan Vogel

 

geb. 1981 in Fürth, lebt und arbeitet in Leipzig. Hochschule für bildende Künste Hamburg, 2004–2012.

 

Stefan Vogel führt Zeichnen, Schreiben und Formen zu einer dichten Einheit. Seine Sprachbilder sind dabei vom Einfluss konkreter Poesie geprägt. Die spezifische Material- und Farbästhetik der Werke Vogels basiert auf der Verwendung von Baustoffen, Naturmaterialien und Alltagsobjekten. In seinen oft mehrteiligen Wandarbeiten und raumfüllenden Installationen verwebt er all das, was im Laufe der Zeit anfällt oder für die Organisation von Existenz angeschafft wird – Überbleibsel und Abfallprodukte des Lebens. Auf diese Weise entstehen Kartographien und Brachlandschaften des Daseins. Unter rhythmischer Wiederholung wesentlicher Elemente von Form, Farbe und Substanz beflügeln Zerfall und Zufall die Anarchie der Dinge und Worte. Auf der einen Seite Wuchern und Chaos, auf der anderen Seite Ordnung und Struktur. Mithilfe dieses komplementären Prinzips arbeitet Vogel an einem visuellen Äquivalent komplexer Verhältnisse. 

 

Anka Ziefer

 

Foto: Stefan Fischer